Stand: 06.04.09

Die Dampflokomotiven der Zahnradbahn Honau - Lichtenstein


Im Jahre 1893 lieferte die Maschinenfabrik Esslingen die vier Zahnraddampflokomotiven Nr. 691 Achalm, Nr. 692 Lichtenstein, Nr. 693 Grafeneck und Nr. 694 Muensingen der württembergischen Klasse Fz für die Strecke Reutlingen - Münsingen mit dem Zahnstangenabschnitt Honau - Lichtenstein. Für die im Jahre 1901 eröffnete Zahnradbahn Freudenstadt - Klosterreichenbach folgten in den Jahren 1899 bis 1904 fünf weitere Lokomotiven der Klasse Fz aus Esslingen.
In den 20er Jahren wurden die Fz von den leistungsfähigeren Lokomotiven 97 501 bis 97 504 abgelöst, die ebenfalls in Esslingen gebaut wurden. Im Oktober 1923 kam probeweise die 77 001 (pr. T 20, später 95 001) im direkten Vergleich zur 97 502 zum Einsatz. Daraufhin wurden 70 o/oo Steigung als Grenze für den Reibungsbetrieb festgelegt und zahlreiche weniger steile Strecken auf Reibungsbetrieb umgestellt. So waren dann die letzten Fz, von denen noch 7 Stück in den Bestand der zwischenzeitlich entstandenen Deutschen Reichsbahn übernommen wurden, noch einige Jahre in Freudenstadt im Einsatz, bis sie hier von Dampflokomotiven der Baureihe 94 mit Gegendruckbremse abgelöst wurden. Mit Inbetriebnahme der Zahnradschienenbusse der Baureihe VT97 am 26. Mai 1962 wurde der Dampfbetrieb auf der Zahnradbahn Honau - Lichtenstein eingestellt. Drei der ursprünglich vier Dampflokomotiven der Baureihe 97.5 sind bis heute erhalten geblieben.
Die Zahnradfahrzeuge konnten zwar sowohl auf der Zahnradbahn als auch auf normalen Strecken eingesetzt werden, dazu durften jedoch die Bahnübergänge an der Strecke keine Überhöhung in Gleismitte enthalten und die Radlenker alter Doppelkreuzungsweichen mussten mit Aussparungen für das Zahnrad versehen werden. So war dann auch der Einsatz dieser Fahrzeuge nur auf der Strecke Reutlingen - Schelklingen und Tübingen - Reutlingen - Esslingen zulässig. Für Überführungsfahrten der Schienenbusse waren Tauschachsen ohne Zahnrad vorhanden.

Dampflokomotiven der Zahnradbahn

Die erste württembergische Zahnradlok der Klasse Fz, Nr. 691 ACHALM auf der Zahnradstrecke beim Bf. Honau.

Zahnradlok 97 501, erbaut 1922 (Fab.Nr. 4056) von der Maschinenfabrik Esslingen für die Zahnradbahn Honau - Lichtenstein. Die Lok ist seit 1985 Eigentum der Freunde der Zahnradbahn Honau - Lichtenstein e.V. und wird wieder betriebsfähig Aufgearbeitet.

Die Zahnradlok 97 501 in den 50er Jahren in Honau. Der Weichenwärter Otto Vöhringer aus Unterhausen versorgt die Lok mit Wasser.

Fotos: Archiv Daimler-Benz AG / Sammlung ZHL

Nr.
Hersteller
Fabr.Nr./Bauj.
Bauart, Lebenslauf

württembergische Klasse Fz / Baureihe 97.3

591
Esslingen
2585/1893
1´C/b-n4t, neu an württ. Staatsbahn, Fz Nr. 691 Achalm, bzw. Nr. 591, bzw. Deutsche Reichsbahn, 97 301, abgest. bis 1936
592
Esslingen
2586/1893
1´C/b-n4t, neu an württ. Staatsbahn, Fz Nr. 692 Lichtenstein, bzw. Nr. 592, bzw. Deutsche Reichsbahn, 97 302, abgest. bis 1936
593
Esslingen
2587/1893
1´C/b-n4t, neu an württ. Staatsbahn, Fz Nr. 693 Grafeneck, bzw. Nr. 593, bzw. Deutsche Reichsbahn, 97 303, abgest. bis 1936
594
Esslingen
2588/1893
1´C/b-n4t, neu an württ. Staatsbahn, Fz Nr. 694 Muensingen, bzw. Nr. 594, bzw. Deutsche Reichsbahn, 97 304, abgest. bis 1936
595
Esslingen
3052/1899
1´C/b-n4t, neu an württ. Staatsbahn, Fz Nr. 595, bzw. Deutsche Reichsbahn, 97 305, abgest. bis 1936
596
Esslingen
3054/1900
1´C/b-n4t, neu an württ. Staatsbahn, Fz Nr. 596, abgest. vor 1924
597
Esslingen
3160/1901
1´C/b-n4t, neu an württ. Staatsbahn, Fz Nr. 597, bzw. Deutsche Reichsbahn, 97 306, abgest. bis 1936
598
Esslingen
3241/1903
1´C/b-n4t, neu an württ. Staatsbahn, Fz Nr. 598, abgest. vor 1924
599
Esslingen
3295/1904
1´C/b-n4t, neu an württ. Staatsbahn, Fz Nr. 599, bzw. Deutsche Reichsbahn, 97 307, abgest. bis 1936

Baureihe 97.5

97 501
Esslingen
4056/1922
E/a h2(4v)t, neu an DRG/DB, 97 501, +10.8.62, abgst. in Reutlingen, 1965 abgest. in Horb, 1972 Denkmal im Bahnhof Münsingen, 1975 abgest. in Tübingen, 1976 abgest. in Reutlingen, 1978 an Privat, Denkmal in Obernzell bei Passau, 1985 an ZHL (1986 nach Tübingen überführt, 1999 nach Reutlingen überführt, in Aufarbeitung)
97 502
Esslingen
4057/1923
E/a h2(4v)t, neu an DRG/DB, 97 502, +26.4.1962, 1962 an Maschinenfabrik Esslingen, Denkmal im Werk, 1976 leihw. an DGEG, Bochum-Dahlhausen
97 503
Esslingen
4141/1925
E/a h2(4v)t, neu an DRG/DB, 97 503, +23.11.1956, 1960 als Ersatzteilspender verschrottet
97 504
Esslingen
4142/1925
E/a h2(4v)t, neu an DRG/DB, 97 504, +13.8.1962, abgest. in Reutlingen, Horb, Freudenstadt, Kornwestheim, 1988 an Museum für Verkehr und Technik bzw. Deutsches Technikmuseum, Berlin


Verbleibe der Zahnraddampflokomotiven der Baureihe 97.5


97 501 (Ausmusterung: 10.8.1962)

Nach der Ausmusterung war die Lok zunächst in Reutlingen und dann ab 1965 in Horb abgestellt. Im April 1972 wurde sie im Bw Tübingen äußerlich aufgearbeitet und 22. April 1972 als Denkmal beim Bahnhof Münsingen aufgestellt. Da die Lok dort aber nicht gepflegt wurde, kam sie im April 1975 in das Bw Tübingen zurück und im November auf Betreiben des Reutlinger Modelleisenbahnclub nach Reutlingen. Im August 1978 wurde sie an einen Privatmann aus Obernzell bei Passau verkauft und dort im Bahnhof der ehemaligen bayerischen Zahnradbahn Obernzell-Wegscheid als Denkmal aufgestellt. Im August 1985 konnten die Freunde der Zahnradbahn Honau - Lichtenstein die Lok erwerben und schließlich im April 1986 zur betriebsfähigen Aufarbeitung nach Tübingen und im Dezember 1999 zur weiteren Fertigstellung nach Reutlingen überführen.

97 502 (Ausmusterung: 26.4.1962)

Nach der Ausmusterung kam die Lok am 17. August 1962 zu einem Rückkaufpreis von 8.000,- DM zum Herstellerwerk, der Maschinenfabrik Esslingen zurück. Dort wurde sie nach einer äußeren Aufarbeitung im März 1963 zusammen mit einer württembergischen T3 im Werkhof als Denkmal aufgestellt. Nach Übernahme der Maschinenfabrik durch die Daimler-Benz AG verzichtete man dort auf die beiden Lokomotiven. Während die T3 in das Museum für Arbeit und Technik nach Mannheim kam, wurde die Zahnradlok im April 1976 als Leihgabe an das Museum der DGEG nach Bochum-Dahlhausen abgegeben, wo sie äußerlich aufgearbeitet wurde.

97 503 (Ausmusterung: 23.11.1956)

Nach der Ausmusterung diente die Lok bis zur Verschrottung 1960 als Ersatzteilspender.

97 504 (Ausmusterung: 10.08.1962)

Wie die 97 501 war auch die 97 504 nach der Ausmusterung lange Zeit in Horb abgestellt. 1972 wechselte sie nach Freudenstadt und am 16.5.1981 nach Kornwestheim. Am 29.6.88 wurde die 97 504 schließlich nach Berlin überführt, wo sie seither im Museum für Technik und Verkehr bzw. dem heutigen Deutschen Technikmuseum ausgestellt ist.

erhaltene Zahnraddampfloks

Anlässlich 10 Jahre ZHL zeigte sich am 25.6.95 die 97 501 erstmals auf dem Vereinsgelände im Reutlinger Westbahnhof dem Publikum.

Auf der Flucht vor baufälligen Lokschuppen musste 97 504 mehrfach den Standort wechseln, ehe sie am 29.6.1988 nach Berlin überführt werden konnte. Im Bw Crailsheim wurde dabei eine kleine Pause eingelegt.

Fotos: Michael Ulbricht


Die wichtigsten technischen Daten der Baureihe 97.5

Bauart:
E/a h2 (4v) t
Baureihe:
97.5
Betriebsnummern:
97 501 - 97 504
Reibung
Zahnrad
Höchstgeschwindigkeit:
50 km/h
10 km/h
Zylinderdurchmesser:
560 mm
560 mm
Kolbenhub:
560 mm
560 mm
Treibraddurchmesser:
1150 mm
Treibzahnrad,Teilkreisdurchmesser:
1082 mm
Bremszahnrad,Teilkreisdurchmesser:
1019 mm
Indizierte Leistung:
830 Psi
850Psi
Länge über Puffer:
11 950mm
Dampfüberdruck:
14 atü
Feuerrostfläche:
2.5 m²
Wasserinhalt des Kessels:
5 350 l
Gewicht des Kessels:
17 500 kg
Inhalt der Wasserkasten:
7 000 l
Dienstgewicht:
74 900 kg
Achslast:
15 000 kg
Beschaffungskosten (1923):
98000 Mark