Stand: 30.09.04

Lok 2

ex Db 80/1, Kö 5048, Köf 5048, 321 080, 322 150

Auf den ersten Blick handelt es sich bei unserer Kleinlok um eine gewöhnliche Köf, die jedoch einen besonderen Lebenslauf aufweisen kann. So fertigte die Berliner Maschinenbau AG (BMAG, vormals L. Schwartzkopff) im Jahre 1938 eine Serie von 26 Einheits-Kleinlokomotiven der Leistungsgruppe II mit unterschiedlichen Motor- und Getriebeausführungen, wie diese zuvor auch schon als Kö II an die Deutsche Reichsbahn geliefert wurden. Diese Serie wurde teilweise auf Vorrat gebaut und zum größten Teil anschließend an Industriebetriebe verkauft. Drei dieser Lokomotiven kamen sogar zur Polnischen Staatsbahn.
Mit einem auffälligen Warnanstrich, nach alten DB-Zeichnungen aus den 60er Jahren, zeigt sich die Lok 2 nun wieder prächtig aufgearbeitet im Westbahnhof (Foto: Michael Ulbricht).

Unsere Lok (Fabrik-Nummer 10775) kam mit einem 80-PS Dieselmotor von MWM und einem mechanischen Getriebe von BMAG im Jahre 1938 zur Polnischen Staatsbahn, wo sie als Db 80/1 bezeichnet wurde. Nach dem Einmarsch der Deutschen in Polen gelangte die Lok 1941 in das RAW Dessau und wurde dort im Rahmen einer Zwischenuntersuchung als Kö 5048 in den Bestand der Reichsbahn eingereiht. Anschließend wurde sie bei der Generaldirektion der Ostbahn in Krakau wieder in Betrieb genommen. Über die Einsätze in Polen bzw. dem zeitweise ehemaligen Polen liegen uns leider keine näheren Angaben vor, da das Betriebsbuch erst 1941 mit der Übernahme beginnt und dann außer der Betriebsgenehmigung der Generaldirektion der Ostbahn keine weiteren Eintragungen mehr enthält. Ebenfalls 1941 wurden die Köf 5045, 5046 und 5047 als polnische Beuteloks in den Bestand der Reichsbahn eingereiht. Eine weitere polnische Lok, die 1943 als Kö 5186 eingereiht wurde und aus der selben Serie wie unsere Lok stammt (BMAG 10777/1938), gehört heute den Eisenbahnfreunden Schwalm-Knüll in Schwalmstadt.
Von 1944 bis 1946 blieb unsere Kö 5048 im RAW Nürnberg (wo damals zahlreiche Kleinloks wegen Treibstoffmangels abgestellt waren) und gelangte so in den Bestand der DB. Nach einer Hauptuntersuchung, bei der Motor und Getriebe getauscht wurden, kam die Lok 1946 beim Bw Treuchtlingen wieder zum Einsatz und wurde dann noch im selben Jahr zum Bw München-Ost umbeheimatet. Eine weitere Hauptuntersuchung folgte 1949, wobei ein Flüssigkeitsgetriebe eingebaut, und die Lok damit anschließend als Köf 5048 bezeichnet wurde.
Nach Einführung des neuen Nummerschemas bei der DB im Jahre 1968 nannte sich die Lok kurzzeitig 321 080, bis mit dem Einbau einer Druckluftbremse im Jahre 1969 die Umbezeichnung in 322 150 erfolgte. Anschließend war sie bis 1972 beim Bw Ingolstadt und dann bis 1974 nochmals in München-Ost. Nach einem kurzen Gastspiel in Friedrichshafen kam die Lok 1974 zum Bw Ulm, wo sie dann auch nach der Ausmusterung im Jahre 1981 abgestellt blieb.
Als die Reutlinger Spedition Betz im Jahre 1983 eine Halle mit Gleisanschluss auf dem ehemaligen Emil-Adolff-Gelände übernommen hatte, war die Emil-Adolff-Lok bereits verkauft. Daraufhin hatte man die 322 150 erworben, die anschließend in ihrem letzten Heimat-Bw für Betz hergerichtet wurde. Hier durfte sie gelegentlich mal einen Güterwagen in die bzw. aus der Halle ziehen, was aber bei dem Gefälle auf dem Gelände zu Problemen führte (und gelegentlich zu einem neuen Hallentor ...). Nachdem der Betriebsablauf geändert wurde und die Wagen dann im Freigelände entladen wurden, war die Lok überflüssig. Getrennt hatte man sich von dem Gefährt allerdings erst, als im Sommer 1995 die Gleisanlagen abgebaut und das Gelände neu bebaut wurde. Heute befindet sich hier ein Möbelhaus. Mit den Abbrucharbeiten war dabei die Firma Reusch Erdbau aus Riederich beauftragt, von der wir schließlich die Lok übernehmen konnten. Nach einer durch den Verein vorgenommenen Hauptuntersuchung konnte die Lok am 1. August 2001 für den Betrieb auf den Städtischen Industriegleisen wieder in Betrieb genommen werden.
In diesem Zustand haben wir im Juni 1995 unsere Lok 2 übernommen (Foto: Michael Ulbricht).


Betriebsbuchauszug

Hersteller:Berliner Maschinenbau AG, vorm. L.Schwartzkopff, Berlin
 
Fabriknummer:10775
 
Baujahr:1938
 
Der ursprüngliche 80 PS MWM-Motor (Typ GS 17S) wurde bereits 1946 durch einen anderen Motor und das mechanische BMAG-Getriebe 1949 durch ein Flüssigkeitsgetriebe ersetzt. Auch bei den weiteren Aw-Aufenthalten wurden meist Motor und Getriebe getauscht. Inzwischen ist sie mit einem wassergekühlten Deutz-Motor (Typ A6M617,125PS) und einem Voith-Flüssigkeitsgetriebe (Typ L33u) ausgerüstet. Sowohl Motor als auch Getriebe sind in Schienenfahrzeugen weit verbreitet.

Aw Aufenthalte

1938neu an Polnische Staatsbahn als Db 80/1 
15.04.41 - 15.10.41RAW Dessau, Übernahme / Zwischenuntersuchung, Einreihung als Kö 5048 
29.10.41Betriebsgenehmigung durch Generaldirektion der Ostbahn, Krakau 
04.08.44 - 17.05.46RAW Nürnberg, KL2 mit Motortausch 
14.02.49 - 08.07.49RAW Nürnberg, KL4 mit Umbau in Köf 5048 (Voith-Getriebe) und Motortausch 
14.02.52 - 23.08.52EAW Opladen, KL0 mit Motortausch 
16.10.53 - 04.11.53EAW Opladen, KL0 
22.01.54 - 29.01.54EAW Opladen, KL0 mit Motortausch 
26.04.55 - 17.05.55Aw Friedrichshafen, KL3 mit Motortausch 
20.02.56 - 05.03.56Aw Friedrichshafen, KL0 
19.03.56 - 23.03.56Aw Friedrichshafen, KL0 
14.03.57 - 29.03.57Aw Friedrichshafen, KL2 mit Motortausch 
16.04.58 - 28.04.58Aw Friedrichshafen, KL0 
21.05.59 - 11.06.59Aw Friedrichshafen, Kö 3 mit Motortausch 
25.07.61 - 21.08.61Aw Nürnberg, Kö 0 
25.06.64 - 14.07.64Aw Nürnberg, Kö 2 mit Motortausch 
01.01.68Umzeichnung in 321 080 
10.03.69 - 02.04.69Aw Nürnberg, U2 mit Umbau in 322 150 (Druckluftbremse, Bauart KDi) 
29.01.75 - 19.02.75Aw Nürnberg, U 2/5 
10.05.83Bw Ulm, Aufarbeitung für Spedition Betz 

Beheimatungen

18.05.46 - 24.11.46Bw Treuchtlingen 
25.11.46 - 09.03.69Bw München Ost 
03.04.69 - 30.06.72Bw Ingolstadt 
01.07.72 - 17.06.74Bw München Ost 
18.06.74 - 10.08.74Bw Friedrichshafen 
11.08.74 - 07.01.81Bw Ulm (Ausmusterung zum 7.1.81) 
08.01.81 - 10.05.83abgestellt im Bw Ulm 
11.05.83 - 25.06.95Spedition Betz, Reutlingen 
26.06.95Freunde der Zahnradbahn Honau-Lichtenstein